Die blinden Flecken der China-Politik

Deutschland und die EU haben sich in der Zollpolitik den USA unterworfen. Die negativen Folgen bekommen sie nun zu spüren – beim Chipmangel und im Streit um Seltene Erden. Doch Berlin und Brüssel suchen die Schuld ausschließlich in Peking. – Eine Kolumne für den „Makroskop“

Johann Wadephul hatte sich viel vorgenommen. Bei seinem Besuch in China wollte der deutsche Außenminister mal so richtig auf den Tisch hauen: Die chinesischen Exportbeschränkungen bei Seltenen Erden wollte Wadephul ebenso ansprechen wie den Streit um Mikrochips, die Probleme in der Taiwan-Straße oder die mutmaßliche chinesische Hilfe für Russland im Krieg um die Ukraine. Er werde Druck machen, sagte er zu Reuters vor seinem Trip nach Peking.

Doch daraus wurde nichts. Außer seinem Amtskollegen Wang Yi wollte niemand den deutschen Oberlehrer treffen. Wadephul musste seine lang geplante Reise absagen – ein diplomatischer Eklat, den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. Früher, unter Altkanzlerin Angela Merkel, reiste das gesamte Kabinett zu Regierungskonsultationen nach Peking. Heute, unter Anti-Merkel-Kanzler Friedrich Merz, sind die Beziehungen auf dem Tiefpunkt.

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